| Notfallplan für den
Drogenkonsumraum bei INDRO e.V. in Münster
Notfallplan Während des Betriebes des Drogenkonsumraums ist eine ständige Sichtkontrolle der Applikationsvorgänge durch in der Notfallversorgung geschultes Personal sichergestellt (z.B. Arzt, Rettungssanitäter). Darüber hinaus sind alle MitarbeiterInnen beim INDRO e.V. in Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Drogennotfallsituationen medizinisch geschult und werden regelmäßig in speziellen Notfallkursen weitergebildet. Es besteht ein ständiger Kontakt zu dem Rettungsdienst (Rufnummer 112), der in Notfallsituationen in ca. 5 - 8 Minuten vor Ort sein kann. Der Zugang zum Drogenkonsumraum ist für den Rettungsdienst schnell und problemlos erreichbar. Bei einer Notfallversorgung aufgrund von Mischintoxikationen (polyvalenter Gebrauch) oder zufälligen Überdosierungen auf Grund des immer schwankenden Reinheitsgehaltes kann medizinisch sofort reagiert werden: Beatmungshilfsmittel wie Beatmungsbeutel, medizinische Liege, Blutdruckmessgeräte, Pulsoxymetrie und Rettungsdecke sowie mehrere Notfallkoffer mit Sauerstoffflaschen sind zur Erstversorgung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sofort verfügbar. Grundvoraussetzungen: I. ständige Sichtkontrolle der Konsumvorgänge II. ständige Kontrolle der Einhaltung der Hausregeln III. ständige Kontrolle des Allgemeinzustandes der KonsumentInnen
1. anwesende/r MitarbeiterIn im Konsumraum informiert sofort die Kollegen im Büro. MitarbeiterInnen im Büro setzen bei Bedarf Notruf (112) ab und notieren den Zeitpunkt, zu dem der Notruf abgesetzt wurde sowie die Ankunftszeiten von Rettungswagen und Notarzt (können unterschiedlich sein !!!) 2. bei Bedarf MitarbeiterInnen zur Unterstützung in den Konsumraum rufen (aus Büro / Café / Theke für den Spritzentausch) 3. KonsumraummitarbeiterInnen schliessen Tür zum Konsumraumbereich. 4. ein(e) MitarbeiterIn räumt den Eingangsbereich, schließt die Eingangstür, kontrolliert den Einlass in die Einrichtung und weist den eintreffenden Rettungskräften den Weg (MitarbeiterIn an der Theke für den Spritzentausch räumt Anmeldezettel weg)
1. Erforderliche Schutzmaßnahmen ergreifen (Handschuhe anziehen, Spritze, Kanüle sichern und entsorgen, EIGENSCHUTZ BEACHTEN !!!) 2. andere anwesende KonsumentInnen werden gebeten, den Konsumraum zu verlassen bzw. den Konsumvorgang möglichst schnell zu beenden 3. bei erkannter Notfallsituation (Bewusstlosigkeit, Atemstillstand) die betroffene Person im Vorraum in die notwendige Behandlungsposition (Rückenlage, Seitenlage, Stuhl, evtl. Sauerstoffgabe) bringen 4. Kontrolle der Vitalfunktionen (Atmung, Bewusstsein,
Kreislauf) 5. Erhalt und Wiederherstellung der Vitalfunktionen (ABC – der Wiederbelebung) A = Atemwege freimachen und freihalten, Kopf überstrecken, Guedeltubus einlegen (um ein Zurücksinken der Zunge zu verhindern), ggf. Absaugen oder Mund reinigen B = Beatmen, Sauerstoffgabe, Maskenbeatmung (Beatmungsbeutel) C = Cirkulation, bei Herzstillstand externe Herzmassage im vorgeschriebenen Wechsel (15 x Herzmassage:2 x Beatmung) 6. Ist die betreffende Person wieder bei Bewusstsein und ansprechbar, wird sie zur weiteren Beobachtung in den Kontaktladenbereich oder in das Büro gebracht 7. Der Konsumraumbetrieb wird wieder aufgenommen – Einlass von KonsumentInnen in den Raum ist wieder möglich 8. Der Notfall wird auf dem Notfallprotokoll und im Tagesprotokoll schriftlich dokumentiert Meldeschema beim Notruf: - Wo geschah es? (Genaue Angabe des Ortes, Straße, Hausnummer)- Was geschah?- Wie viele Verletzte?- Welche Arten von Verletzungen? (Beschreibung des Notfalls; Störung der Vitalfunktionen wie Atmung, Kreislauf, Bewusstsein)- Warten auf RückfragenEs ist bekannt, dass die derzeitige Rechtslage und die daraus resultierende Art und Weise des Konsums im öffentlichen Raum auch die Möglichkeit eines Drogennotfalls erhöhen. Durch wechselnde Qualität der Substanzen steigt das gesundheitliche Risiko und ist zudem kaum kalkulierbar. Angst vor strafrechtlicher Verfolgung bestimmt darüber hinaus auch die Art und Weise des Konsums. Es ist ferner seit langem bekannt, dass aus Angst vor Entdeckung durch die Polizei in der Öffentlichkeit meist schnell, riskant und unhygienisch in Hauseingängen, öffentlichen Toiletten und in Gebüschen konsumiert wird. Dies begünstigt enorm das Entstehen von Drogennotfällen und weiterhin auch von Begleiterkrankungen wie Abszessen und Infektionskrankheiten (vor allem HIV und Hepatitis). Besonders gefährlich ist jedoch der „erste Schuss" z.B. nach einer Entzugs- oder Therapiebehandlung, oder längeren Gefängnisaufenthalten. Drogenkonsumräume ermöglichen hier direkte Überlebenshilfe und bieten einen Schutzraum für eine hygienische Applikation von Drogen.
(letzte Aktualisierung: 19.01.2005) |